Dienstag, April 23, 2024

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Sex im Free-TV – Spaß ja! Sex nein!

Schaut man in letzter Zeit und vor allem nachts in die Glotze, springen einem blanke Busen nur so um die Ohren. Insbesondere die kleine Lokal- und Spartensender setzen derzeit ab Mitternacht offensiv auf die Devise: Sex sells! Und bei einigen scheint die Rechnung sogar auf zugehen …

Sex im Free-TV – Das beste Beispiel

Bestes Beispiel dafür ist derzeit Neun Live. Der zum interaktiven „Mit-Mach“-Sender mutierte Kanal hieß früher mal TM3 und wollte ein Frauensender werden.
Eine Vision, die man allerdings niemals konzeptionell angemessen umgesetzt hat. Daher konnte auch die Rolle rückwärts und spätere Programm-Änderungen, wie zum Beispiel die Übertragung der Champions-League den Sender nicht vor weiteren Pleiten bewahren.
Na ja, dank der Ironie des Schicksals ist man inzwischen zumindest nachts wieder zum Frauensender geworden. Natürlich nicht im ursprünglichen Sinne.

Bei Neun Live gibt es derzeit täglich, von 0.00 bis 2.00 Uhr, die Mitmachshow „La Notte“, die abwechselnd von Alida Kurras (erinnert sich noch jemand daran, dass sie mal „BigBrother“-Gewinnerin war?), Nadine Tschanz und Andrea Lamar.
Neben mehr oder meist weniger sinnvollem Smalltalk werden die Zuschauer zu kostenpflichtigen Telefonaten und banalen Gewinnspielen wie z.B. „Chicken Poppen“ animiert. Garniert wird das ganze mit blanken Busen, viel nackter Haut und noch mehr Werbung.

Nach „La Notte“ folgen meist die ganze Nacht über diverse sexy Clips, mit zahlreicher Werbung der bekannten 0190er-Hotlines. Damit erreicht der Münchener Sender zu nachtschlafender Zeit einen Marktanteil von etwa 3%. Im Gegensatz dazu liegt die Quote tagsüber bei 0,5%.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, welches für die gerühmte Programmvielfalt der kleinen und lokalen Sender steht. Immerhin wird durch das erotische Nachtprogramm auf elegante und einfache Art und Weise die Einschaltquote und somit der Marktanteil erhöht. Denn die Einschaltquote der Nacht wird in den Tagesdurchschnitt umgerechnet. Durch den höheren Schnitt steigert sich auch der Werbepreis, was den Sendern wiederum höhere Werbeeinnahmen beschert.

Sexy Late-Night Shopping im Free-TV

Doch die bei allen Sendern hochgelobte „Interaktivität“ in den Sendungen beschränkt sich derzeit lediglich aufs Anrufen. Das in Verbindung mit Gewinnspielen oder den bekannten 0190er-Hotlines, deren Jahresumsatz insgesamt bei geschätzten 200 Millionen Euro liegt.

Eine weitere Möglichkeit des Mitmachens liegt im Kauf von Sex-Toys. So z.B. bei RTL mit Erika Berger im „Eine Chance für die Liebe“-Shop  (mittlerweile eingestellt) oder bei HOT in der Live-Show „In Sachen Lieben“, die dadurch auch weit höhere Umsätze als mit dem üblichen Haushaltskram erzielen.
Hier ist die Zielgruppe aber weitestgehend das weibliche Publikum, und daher verwundert es auch weniger, das Dessous die Verkaufsrenner sind.

Auch Ex-Pornostar Kelly Trump machte in ihrer Show „Late Night Fantasy“ nicht viel mehr, aber dafür schalten immerhin über 70.000 Zuschauer jede Nacht ein, wenn Kelly diverse Hilfsmittel oder Sortiments anpries.
Allerdings fiel die beliebte Show und Kellys reizender Anblick der Programmumstellung von RTL II unter dem Motto „Spaß Ja – Sex Nein!“ zum Opfer (siehe Pressemitteilung weiter unter!).

Was sonst an Sex im Free-TV zu sehen ist

Von den zuvor genannten Shows abgesehen sieht das erotische Angebot im Free-TV immer noch mau aus, was überwiegend auch an der gesetzlichen Lage liegt. So werden Spielfilme immer noch in der Softvariante oder noch schlimmer in einer gekürzten Version ausgestrahlt, bei denen eher aus als anschalten angesagt ist.

Positiv zu nennen ist hier allerdings der Kulturkanal Arte, der es alle Jubel-Jahre schafft auch in erotischer Hinsicht Sternstunden zu präsentieren. So lief neben einer ungeschnittenen Fassung des Klassikers „Im Reich der Sinne“ von Nagisa Oshima auch schon  „Romance“ mit Rocco Siffredi.

Auch hinsichtlich Informationen aus dem Bereich der Erotik bzw. Pornofilms sieht’s nicht gerade rosig aus. Herrscht doch auch in diesem Fall größtenteils Berichterstattung auf blankem Boulevard- oder noch niedrigem Niveau vor.
Rühmliche Ausnahme bildet hier lediglich noch VOX mit „Wa(h)re Liebe“, das inzwischen zu Recht einen gewissen Kultstatus genießt.

Die diversen Dokus auf RTL 2 bewusst außer acht gelassen, verbleibt nur noch der Weg ins Pay-TV, sprich‘ Premiere mit den Kanälen von Beate-Uhse.TV und Blue Movie. Hier findet der Zuschauer noch am ehesten, was er in Sachen Erotik sucht. Zwar sind auch hier aufgrund der rechtlichen Grundlage die Spielfilme gekürzt, aber immerhin handelt es sich größtenteils um US-Produktionen aus den letzten Jahren mit vielen großen Darsteller und Regie-Namen. Auch einige der „Making Of“-Produktionen und sonstigen Dokumentationen können sich durchaus sehen lassen.

Als Alternative für wirklichen HC-Content verbleibt da nur der Weg ins Internet oder auf ausländische PAY-TV Sender auszuweichen, die über Satellit ausgestrahlt werden. Für Deutschland und anliegende Länder soll es aber mit „Sex-TV“ demnächst eine weitere Alternative geben.

Als Resümee verbleibt, das jeder selbst entscheiden muss und mit der Fernbedienung auch kann, was er sehen will. Dank Video und Internet kann sich zudem jeder mündige Bundesbürger sein eigenes Programm gestalten. Und zwar so, dass Sex und Spaß verbunden werden können!

RTL II (Pressemitteilung):

Spaß ja – Sex nein! Unter diesem Motto verbannt RTL II ab Januar 2002 Erotik aus seinem Programm. Im Folgenden der Wortlaut der Presseerklärung:

Eine von RTL II beim Kölner Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen RHEINGOLD in Auftrag gegebene Studie beweist: Die große Mehrheit der 14 bis 29-Jährigen ist an Sex im Fernsehen nicht interessiert. Für Diplom-Psychologe Stephan Grünewald (Rheingold Institut) ein Indiz dafür, dass gerade junge Menschen „diese Art der Kompensation im Fernsehen nicht benötigen“.
RTL II mit seiner Zielgruppe der 14 bis 29-Jährigen zieht aus dieser Untersuchung die Konsequenz und wird ab Januar 2002 Abschied von Programmen nehmen, in deren Mittelpunkt die Darstellung von Sex steht. Schluss mit Sex – das bedeutet: mehr „Echte Menschen – Echtes Fernsehen“: Dazu gehören auch weiterhin: Big Brother, Popstars, Megaman und Schnulleralarm. Das heißt auch: Ausbau der Musikschiene, mehr Spitzenserien im Programm, eine Vielzahl von Spielfilmneuheiten, ein neues Infotainment-Magazin und ein noch stärkeres Kinderprogramm.

RTL II wird damit auch im neuen Jahr seinem Image als innovativer Sender der jungen TV-Generation gerecht, denn „RTL II macht einfach Spaß!

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