Porn hatte Traffic. Creator haben Follower. Kommt jetzt Playtime?

Ein Gastbeitrag von Pauline Schmiechen über Games als neuen Kanal für Brands und Creator in der Erotikbranche.

8 Minuten Lesezeit

Wenn wir in der Adult Industry über Traffic sprechen, meinen wir meistens ziemlich klassische Dinge: Porn Traffic, Social Media, Affiliates, Creator-Plattformen. Möglichst viele Leute irgendwo hinbekommen und dann hoffen, dass genug davon klicken, abonnieren oder kaufen.

Ich glaube aber, dass wir einen Kanal gerade noch ziemlich unterschätzen: Games.

Und damit meine ich nicht einfach, dass Adult Games größer werden. Spannender finde ich, was passiert, wenn Gaming mit dem Rest der Adult Industry zusammenwächst. Wenn Creator plötzlich ihr eigenes Game haben. Wenn Brands nicht mehr nur irgendwo als Banner auftauchen, sondern einen eigenen Store in einer virtuellen Welt bekommen. Wenn ein Produkt Teil des Gameplays wird und Fans Content nicht einfach kaufen, sondern erspielen.

Denn ein Spieler ist etwas anderes als ein Pageview.

Wer auf einer Pornoseite landet, ist vielleicht ein paar Minuten da, sieht nebenbei Werbung und ist danach wieder weg. Das kann wahnsinnig viel Traffic sein und natürlich funktioniert dieses Modell seit Jahren. Aber die Werbung bleibt meistens genau das: Werbung neben dem Content.

In einem Game ist der Nutzer schon mitten im Produkt. Er verbringt Zeit darin, trifft Entscheidungen, kommt zurück, schaltet Dinge frei und ist – ganz wichtig – bereits daran gewöhnt, innerhalb digitaler Welten Geld auszugeben.

Skins, Extra Lives, Booster, virtuelle Items: Niemand muss Gamern mehr erklären, warum etwas Digitales Geld kosten kann.

Und genau da wird es für Adult interessant.

Was wäre, wenn die Brand nicht neben dem Content steht, sondern darin?

Adult und Sexual-Wellness-Brands haben beim Marketing bekanntlich nicht gerade die einfachsten Bedingungen. Meta, Google, TikTok und Co. sind bei vielen Produkten alles andere als entspannt. Also landet viel Budget dort, wo Adult Traffic bereits existiert.

Games eröffnen eine andere Möglichkeit.

Ein Toy muss dort nicht als Banner auftauchen. Es kann ein Item im Game sein. Eine Brand kann einen eigenen Store bekommen. Ein Dating-Anbieter kann Teil einer Story werden. Rabattcodes können erspielt werden. Ein Produkt kann sogar direkt mit dem Gameplay interagieren.

Ich arbeite gerade mit Tiny Secret Games und sehe das bei Snapshot ziemlich direkt. Das ist ein 18+ Open-World-Anime-Game mit mittlerweile über 100.000 monatlich aktiven Spielern. Mit Lovense gibt es dort beispielsweise nicht einfach nur Werbung: Die Toys können auf Events im Game reagieren und zusätzlich gibt es einen eigenen Lovense Store innerhalb der Spielwelt.

Lovense Store in der Open-World-Spielwelt von Snapshot mit Shop-Symbol am Eingang
Der Lovense Store in der Spielwelt von Snapshot (Screenshot)

Und genau diesen Unterschied finde ich interessant. Die Brand versucht nicht, den Nutzer aus seinem eigentlichen Erlebnis herauszuziehen. Sie wird Teil davon.

Das lässt sich außerdem weit über Toys hinausdenken. Dating, Sexual Wellness, Creator-Plattformen, Lingerie, Privacy-Produkte oder andere digitale Services. Überall dort, wo Brand und Zielgruppe wirklich zur Welt des Games passen, wird es spannend.

Natürlich kann man auch das komplett versauen. Wenn wir virtuelle Welten einfach mit Logos und Affiliate-Links vollkleistern, haben wir am Ende Bannerwerbung mit hübscherer Grafik gebaut.

Eine gute Integration muss einen Grund haben, im Game zu existieren.

Noch spannender finde ich Creator Games

Denn dasselbe Prinzip funktioniert nicht nur für Brands.

Creator haben heute eine ziemlich absurde Aufgabe: Sie sollen möglichst immer präsent sein. Posten, chatten, neuen Content produzieren, live gehen, DMs beantworten. Aber auch der engagierteste Creator schläft irgendwann.

Was passiert in diesen Stunden mit den Fans?

Genau deshalb finde ich Custom Creator Games so interessant.

Statt Fans einfach noch einen weiteren Feed zu geben, kann man aus der Welt eines Creators ein eigenes kleines Game bauen. Look, Persönlichkeit, Content und Rewards werden Teil davon. Fans spielen mit oder gegen eine virtuelle Version des Creators und können dabei Fotos, Videos, Voice Messages oder andere Inhalte freischalten.

Der entscheidende Punkt dabei ist für mich: Der Creator muss nicht noch einen neuen Vollzeitjob anfangen.

Startbildschirm von Pauli's MyFanGame mit gezeichneter Creator-Figur und Rewards-Feld
Startbildschirm von „Pauli’s MyFanGame“ (Screenshot)

Bei MyFanGame, an dem ich gerade mitarbeite, wird das Game beispielsweise einmal rund um den Creator gebaut. Der Creator liefert seinen Input und Content für das Setup, das eigentliche Spiel läuft danach, ohne dass er ständig selbst online sein und es aktiv betreiben muss.

Plötzlich kann vorhandener Content weiterarbeiten.

Ein Foto ist dann nicht mehr einfach ein Foto hinter einer Paywall. Es kann der Reward nach einer Runde sein. Ein Voice Message kann etwas sein, das ein Fan erst freischaltet. Und aus zehn Minuten Content können im besten Fall mehrere Stunden Unterhaltung entstehen.

Das ist für mich eigentlich der spannendste Shift: vom Content konsumieren zum Content erleben.

Vielleicht ist Playtime die interessantere Kennzahl

Ich glaube nicht, dass Games Porn Traffic, OnlyFans oder klassische Affiliate-Kanäle ersetzen werden. Darum geht es auch gar nicht.

Interessant wird es, wenn Gaming dazwischen kommt.

Eine Pornoseite kann einen Nutzer in ein Game schicken. Ein Creator kann seine bestehende Community dort weiter monetarisieren, auch wenn er gerade nicht online ist. Eine Brand kann innerhalb dieser Welt auftauchen. Und das Game kann den Nutzer wiederum zu einem Shop, einer Plattform oder einem anderen Produkt führen.

Dann reden wir plötzlich nicht mehr nur darüber, wie viele Menschen eine Anzeige gesehen haben.

Wir reden darüber, wie lange sie freiwillig mit einer Brand, einem Creator oder einem Produkt interagiert haben.

Die Adult Industry war schon immer ziemlich gut darin, neue Distributionswege auszuprobieren. Teilweise weil sie innovativ ist, teilweise weil ihr bei den klassischen Wegen regelmäßig die Tür vor der Nase zugeschlagen wird.

Vielleicht ist Gaming einfach der nächste.

Und ganz persönlich: Ich würde aktuell lieber 10.000 Leute haben, die wirklich spielen, als 100.000 Leute, die an meinem Banner vorbeiscrollen.

Das ist die Wette, die ich bei Adult Gaming gerade spannend finde.

Über die Autorin: Pauline Schmiechen

Pauline Schmiechen berät mit Pauline’s Advisory in Berlin Unternehmen, die in der Creator Economy der Erotikbranche wachsen wollen. Sie hat Informatik studiert, an KI-Projekten bei Fraunhofer und an Medienthemen bei Axel Springer gearbeitet und war als Model tätig. Heute sitzt sie im Advisory Board des OnlyFansInsider Magazine.

2025 startete sie gemeinsam mit Paulita Pappel den Podcast Pauli². GAN hat das Format zum Start vorgestellt und beide im Interview über Dating, Humor und Begehren befragt.

Transparenzhinweis: Die Autorin arbeitet mit Tiny Secret Games, dem Studio hinter Snapshot, und an MyFanGame mit. Der Gastbeitrag gibt ihre persönliche Einschätzung wieder. Mehr zu Pauline Schmiechen auf ihrer Website und bei LinkedIn.

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