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Carol Lynn: Ein Wiedersehen mit dem deutschen Pornostar

Mit Carol Lynn kehrte vor einigen Wochen ein ehemals ganz großer Name aus der nicht immer glanzvollen Erotik und Pornofilm Dekade der 90er Jahre ins öffentliche Rampenlicht zurück. Bezeichnenderweise traf ich Carol als erstes bei Facebook wieder. Wofür Social Media doch manchmal gut sein kann … Nachdem ich mich vergewisserte, dass es sich auch um die echte Carol handelte, war der Rest reine Formsache und die Verabredung zum Interview stand fest.

Carol Lynn 1Für alle jüngeren Leser ab 18 Jahren und zum besseren Verständnis vorweg noch eine kurze Info zu Carol Lynn: Mein erstes Zusammentreffen erfolgte zwar nicht persönlich, aber umso nachhaltiger, in einer heute nicht mehr existierenden Videothek. Zur Erinnerung, dass ist ein Laden, wo man früher mal VHS Kassetten und DVDs ausgeliehen hat … Wie dem auch, schlich‘ ich mich schnell in die 18er und stolperte direkt mit einem lebensgroßen Carol Lynn Pappaufsteller zusammen. Blond, mit Zopf, im Leder-Outfit und hohen Stiefeln samt roten Cap, hinterließ Carol einen bis heute nachhaltigen Eindruck bei mir. Wenn ich mich recht erinnere, war der Film dazu „Wet Hot Dreams“, aber das ist eine andere Geschichte …

Carol Lynn wurde jedenfalls am 21. Dezember 1964 in Siegburg geboren und war von 1990 bis 1994 als Pornodarstellerin und Produzentin aktiv. Später arbeitete sie noch als Moderatorin im TV und führte eine Zeit lang auch noch einen Swingerclub. So kurz zumindest die Karriere als Pornodarstellerin war, umso beeindruckender war ihr Erfolg damals. Warum und wie Carol Lynn nun in die Erotikbranche zurückkehrt, erfahrt Ihr bei uns im folgenden Exklusiv-Interview.

Carol Lynn – Der deutsche Pornostar der 90er im Interview

Hallo Carol! Deine aktive Zeit vor der Kamera ist ja nun schon eine Weile her ist und daher würde ich gerne mit dem Beginn Deiner Karriere anfangen. Soweit ich weiß, hast Du Abitur gemacht und eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert. Was hat Dich dann zu bewogen mit 22 Jahren als Erotik-Darstellerin anzufangen?

Carol Lynn Bild 02Ich habe Mike Hunter kennengelernt und durch ihn Einblick in die Branche bekommen. Das hat mich sehr interessiert und so habe ich angefangen, zu produzieren. Es ist nicht richtig, dass ich zuerst als Darstellerin für andere Produzenten gearbeitet habe. Ich habe von Anfang an selbst produziert.

Und wie und wo hast Du Mike Hunter kennengelernt?

Wo, weiß ich nicht mehr, aber es war eine ganz zufällige Begegnung.

Fühltest Du Dich damals dazu bereit oder würdest im Nachhinein sagen, Du warst für das „Erotik-Business“ zu jung und unerfahren? Nicht unbedingt in sexueller Hinsicht, sondern mehr in Bezug auf allgemeine Lebenserfahrungen.

Damals fühlte ich mich der Sache schon gewachsen, auch weil ich mit Gerd Wasmund (Mike Hunter) eine „alten Hasen“ der Branche an meiner Seite hatte, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Im Nachhinein muss ich allerdings zugeben, dass das ziemlich naiv war, da Mike Hunter selbst damals schon jahrelang raus aus dem Business war, bereits diverse Firmenpleiten hingelegt hatte und sich mehr oder weniger auf der Flucht vor dem deutschen Fiskus befand, weswegen er in die USA ausgewandert war.

Du willst ja demnächst mit Amateuren arbeiten, worüber wir noch später sprechen werden. Aber würdest sagen, dass es überhaupt ein passendes Alter oder Einstige gibt, indem man als Darstellerin anfangen sollte? Ich meine, heutzutage sind Männer wie Frauen jeden Alters von 18 bis 88 aktiv. Wobei ich aber häufig bei den jüngeren meine Zweifel habe, ob Sie überhaupt wissen, worauf sie sich einlassen und was sie machen.

Ich halte es für wichtig, sich genau zu überlegen, ob man vor die Kamera tritt oder nicht. Deshalb werde ich selbst bei Produktionen nicht mit Darstellern unter 21 Jahren arbeiten.

Kurze Zwischenfrage: Stimmt es und wann hast Du Psychologie studiert? Und spielt Psychologie nicht in der Pornografie eine unheimlich große Rolle?

Carol Lynn Bild 03Ja, ich habe Psychologie studiert, das Studium allerdings nicht abgeschlossen, wie auch meine Ausbildung zur Psycho-Therapeutin nicht zum Abschluss kam.
Ich denke, in guten Pornofilmen spielt Psychologie eine sehr wichtige Rolle. Es ist nämlich gar nicht notwendig, so vordergründige Filme zu drehen, wie die, die momentan den Markt überschwemmen.

Schauen wir noch mal auf das Jahr 1990 zurück, indem Du angefangen hast. Wie war das damals und wie liefen die Produktionen im Vergleich zu heute ab? Sei es nun die Atmosphäre am Set, die Budgets und das Miteinander in der Szene überhaupt?

Das ganze Drumherum war anders – professioneller. Und wir haben uns mehr Zeit genommen: Ich habe damals in 6 Tagen 2 Filme gedreht. Heute drehen sie 2 Filme an einem Tag. Da bleibt schon einiges auf der Strecke.

Du hast dann 1994 aufgehört. Gab es in diesem Zeitraum schon gravierende Veränderungen in der Branche oder war es noch eine gute Zeit?

1994 ging bereits der Trend in die Richtung: möglichst 1 Film pro Tag und in billigen Locations und überhaupt so preiswert wie möglich. Da konnte und wollte ich nicht mithalten. Abgesehen davon war ich ja auch schwanger und wollte sowieso aufhören.

Mit welchen bekannten Darstellerinnen und Darstellern hast Du damals gearbeitet? Wie waren Deine Erfahrungen und gab es darunter bestimmte, mit denen Du bevorzugt gedreht hast?

Ich habe wirklich kein gutes Namensgedächtnis, aber ich hatte immer hübsche neue Gesichter bei den Darstellerinnen, die später auch noch bei anderen Produzenten viele Filme gedreht haben.
Dolly Buster, zum Beispiel, hat ganz am Anfang ihrer Karriere in einem meiner ersten Filme mitgespielt („Die supergeilen Raubritter“). Nur dass sie damals noch Mandy Dvorak hieß, sehr zierlich war und kaum Oberweite besaß.
An männlichen Darstellern hatte ich eigentlich immer die selben 4 oder 5 Profis, mit denen ich einfach gut klar kam und die mich mit wirklich professioneller Arbeitsweise überzeugt hatten.

Was war Dein lustigstes und was Dein schlimmstes Erlebnis als Darstellerin?

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