Es war ein Stundenlohn, der die Entscheidung auslöste. 16,80 Euro brutto, angeboten nach rund 30 Jahren Berufserfahrung in einem ganz anderen Feld. Um das Geld ging es ihr dabei nicht. Die Zahl stand für etwas anderes: für fehlende Wertschätzung, fehlende Anerkennung und fehlenden Respekt vor ihrer Arbeit, und für den Abstand zu dem Wert, den sie sich selbst zuschreibt.
Sie ging nach Hause, setzte sich hin und stellte sich zwei Fragen: Was will ich in meinem Leben noch erreichen? Was kann ich verändern?
Die Antwort kam schnell und betraf einen Teil ihres Lebens, den sie 18 Jahre lang weggeschoben hatte. „Verbinde das, was du liebst, mit dem, was du kannst“, fasst sie den Moment heute zusammen. „Und vor allem: Erlaube dir, deine authentische sexuelle Identität wieder zu leben.“
Die Frau, die das erzählt, hieß in der deutschen Erotikbranche einmal Janine La Teen. Im Oktober 2004 bekam sie auf der VENUS in Berlin den Award als beste Nachwuchsdarstellerin Deutschland. Vier Jahre später war sie verschwunden. Seit Juli 2026 ist sie zurück, unter dem Namen Lady Dawina Moon.
Ein Messekontakt und ein Dreh in Hannover

Angefangen hat alles mit einem Kontakt, den sie auf einer Messe bekam. Egon Kowalski lernte sie erst danach persönlich kennen, und die beiden verstanden sich auf Anhieb. Kurz darauf fuhren sie gemeinsam zu ihrem ersten Dreh nach Hannover.
An diesen Tag erinnert sie sich bis heute genau, obwohl ihr Titel und Verwertung des Materials längst entfallen sind. Hängen geblieben sind Details: dass sie in Folie eingewickelt wurde, und dass es mit Kowalski ausgesprochen hart zur Sache ging.
„Ich glaube, da hat es bei mir zum ersten Mal richtig gezündet“, sagt sie über diesen Einstieg. Was folgte, war eine Karriere im Zeitraffer. Die Datenbanken EGAFD, OFDb und Pornopedia führen für sie zwischen 2003 und 2008 rund 70 Titel, ihren Namen mal als Janine La Teen, mal in der Credit-Schreibweise Janine LaTeen.
Diese Einträge bilden allerdings nur einen Teil ihrer Arbeit ab. Daneben entstanden zahlreiche Amateurproduktionen, auch für ausländische Produzenten und für private Auftraggeber. Solche Aufnahmen tauchen in keiner Filmografie auf.
Die Venus, Olivia Jones und eine verschlossene Hotelzimmertür

Der Oktober 2004 war der Höhepunkt dieser ersten Karriere. Bei den VENUS Awards in Berlin ging der Preis für die beste deutsche Nachwuchsdarstellerin an sie, überreicht von Olivia Jones. Die Award-Listen führen die Kategorie in jenem Jahr zweimal, neben ihr wurde auch Vivian Schmitt ausgezeichnet.
Was ihr von diesem Abend geblieben ist, ist allerdings nicht die Trophäe, sondern das, was danach schiefging. Nach der Verleihung drehte sie noch für eine amerikanische Produktion, an deren Beteiligte sie sich heute nicht mehr erinnert. Dann wollte sie zurück ins Hotel, um sich für die Preisverleihungsparty umzuziehen.
Ihre damalige Zimmergenossin war bereits ohne sie losgezogen und hatte den Schlüssel mitgenommen. Sie stand vor verschlossener Tür, kam weder an ihre Sachen noch an ihr Styling, und ging am Ende gar nicht mehr hin.
„Im Nachhinein ist das schon eine ziemlich kuriose Geschichte“, sagt sie heute. „Und genau deshalb ist mir dieser Abend wahrscheinlich auch so gut im Gedächtnis geblieben.“
Sets, auf denen sie nicht wusste, was gedreht wird
Ihre Filmografie liest sich wie ein Querschnitt durch den deutschen DVD-Markt der 2000er. Für Inflagranti drehte sie die Reihe „Popp oder Hopp“, für Videorama arbeitete sie mit Harry S. Morgan, für Magmafilm mit Klaus Goldberg, dazu kamen Titel für DBM und MMV. Bei Inflagranti stand sie nicht nur vor der Kamera: GAN beschrieb sie 2004 als Moderatorin der Reihe Popp oder Hopp, an der Seite von Regisseur Hubertus Leischner.
Diese Bandbreite von klassischem Hardcore über Alltagsszenarien bis in den Fetischbereich war keine Strategie. Sie nahm an, was kam.
„Oft bin ich sogar zu einem Set gefahren, ohne genau zu wissen, was dort überhaupt gedreht werden sollte.“

Im Vorfeld erfuhr sie meist nur, welche Kleidung oder welche Schuhe sie mitbringen sollte, bei Fetischproduktionen auch, dass Hände und Füße gepflegt sein mussten.
Gemocht hat sie diese Arbeit trotzdem, und zwar aus einem Grund, der mit dem Ergebnis auf der DVD wenig zu tun hat. Was sie faszinierte, war der Apparat dahinter: wie viele Menschen an einem Set beteiligt waren, wie professionell organisiert wurde, wie unterschiedlich die einzelnen Produktionen ausfielen.
Besonders gern erinnert sie sich daran, in der Maske zu sitzen und geschminkt zu werden. Zweiundzwanzig Jahre später ist die Maske bei ihr eine andere geworden und trotzdem wieder zentral.
Am liebsten erinnert sie sich an eine Szene in „Guten Morgen Deutschland“ von Magmafilm aus dem Jahr 2004, gedreht unter der Regie von Klaus Goldberg. Dort entstand ihre erste Doppelpenetration, mit Hakan und Markus Waxenegger, der bei derselben Verleihung 2004 als bester deutscher Darsteller ausgezeichnet wurde. „Das war für mich ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt sie.
Über die Formate hinweg wurde aus den Drehs etwas, das sie heute als Selbsterkundung beschreibt. Sie entdeckte verschiedene Seiten an sich und konnte einiges davon vor der Kamera ausprobieren. Vieles davon interessiert sie bis heute.
Warum sie 2008 verschwand
Rund vier Jahre lang arbeitete sie praktisch durchgehend, nach eigener Erinnerung drei bis fünf Szenen pro Woche, mit kaum nennenswerten Pausen. Diese Zahl passt nur scheinbar nicht zu den rund 70 Titeln in den Datenbanken: Szenen wurden damals zerlegt, neu zusammengestellt und über Best-of-Editionen mehrfach verwertet, sodass ein Drehtag selten einem Filmeintrag entspricht. Dazu kommen die Amateur- und Auftragsproduktionen, die nie katalogisiert wurden.
Was sich in diesen Jahren aufbaute, war nicht nur ein Katalog. „Meine Drogenkarriere war zu dieser Zeit immer weiter fortgeschritten“, sagt sie über das Ende. Parallel machte sie in der Öffentlichkeit Erfahrungen, die sie schwer belasteten. Sie habe teilweise das Gefühl gehabt, es sei eine Hetzjagd gegen sie im Gange, und sei damals schlicht nicht stabil genug gewesen, um mit dem Druck von außen umzugehen.
Dazu kam die Branche selbst. Es seien Szenen gedreht worden, die sie persönlich nicht gut fand, und sie habe Dinge gesehen und erlebt, die sie sehr zum Nachdenken brachten. Nach diesen Jahren sei sie mental wie körperlich vollkommen erschöpft gewesen.
Diese Ambivalenz zieht sich durch ihre ganze Erzählung. Dieselbe Arbeit, die ihr Spaß machte und die sie bis heute nicht schlechtredet, hat sie in vier Jahren aufgebraucht. Was ihr damals nicht gefiel, sah sie sich zu dieser Zeit schlicht nicht genauer an. „Ich habe mir darüber damals nicht allzu viele Gedanken gemacht“, sagt sie.
Heute würde sie manches anders entscheiden und einiges gar nicht mehr machen. Welche Situationen sie meint, sagt sie nicht. Das ist keine Ausweichbewegung, sondern eine Grenze, die sie im Gespräch an mehreren Stellen zieht: Sie erzählt, was zu ihrer eigenen Geschichte gehört, und lässt aus, was andere betrifft.
Den Zeitpunkt ihrer letzten Szene weiß sie bis heute genau, ebenso das, was bei diesem Dreh passierte. Erzählen will sie es nicht. Danach hörte sie einfach auf.
„Ich bin eigentlich ziemlich sang- und klanglos verschwunden.“
Ob ihr klar war, dass dieses Kapitel endgültig zu sein würde, sei damals gar nicht die Frage gewesen. Sie wusste nur, dass es so nicht weitergehen konnte.
Was danach begann, nennt sie ihren eigenen Weg der Gesundung. Wie der aussah, gehört für sie nicht in ein Porträt über ihr Comeback. Das Ergebnis schon: Lady Dawina Moon ist nach eigenen Worten frei von Substanzen, und die Entscheidung von 2008 beschreibt sie als eine der wichtigsten ihres Lebens. In einer Branche, die oft nach schnellen Effekten funktioniert, ist dieser Ausstieg fast schon ein Gegenentwurf.
Achtzehn Jahre, in denen etwas fehlte

Was zwischen 2008 und 2026 lag, gehört ihr allein, und sie erzählt davon nur so viel, wie zur Geschichte gehört. Sie arbeitete jahrzehntelang in einem anderen Berufsfeld und beschäftigte sich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung, für sich selbst und für andere.
In den letzten viereinhalb Jahren wuchs das Gefühl, dass etwas fehlt. Weder eine Beziehung noch die eigene Arbeit füllten diese Leere. „Ich bin irgendwie nicht vollständig“, beschreibt sie den Zustand.
Gleichzeitig holte sie ihre Vergangenheit ein. Sie stieß auf Menschen und Kreise mit Verbindungen zur Branche, wurde auf Seiten aufmerksam gemacht, auf denen ihr altes Material lief, und immer wieder daran erinnert, dass sie Janine La Teen gewesen war.
Irgendwann verstand sie, dass sie diesen Teil von sich nur verdrängt hatte. „Auch wenn ich heute nicht mehr dieselbe Frau bin wie damals, habe ich diese Wildheit und diese sexuelle Seite immer noch in mir.“ Der Rest ist der Stundenlohn, der Abend zu Hause und die Frage, was sie eigentlich noch erreichen will.
Was der Name Lady Dawina Moon bedeutet
Dass sie nicht als Janine La Teen zurückkehrt, ist eine bewusste Entscheidung und der Kern ihres Konzepts. Janine beschreibt sie als eine Version von sich, die permanent auf der Suche war und nie wirklich zufrieden: wild und neugierig, aber gefangen in Minderwertigkeitskomplexen, und irgendwann habe sie Lust mehr gespielt als gelebt.
Lady Dawina Moon nennt sie die gesunde Transformation davon. Dieselbe Lust, dieselbe Neugier, aber klar in dem, was sie will. Befriedigung bedeutet für sie heute nicht mehr, ständig Neues suchen zu müssen, sondern ganz bei sich zu sein.
Der Name ist in drei Teilen gebaut. Der Mond steht für Veränderung, für die Macht der Gezeiten und für das Licht in der Dunkelheit, dazu für Rituale, die sie seit Jahren begleiten. Dawina leitet sich vom englischen „Divine“ ab, dem Göttlichen. Und die Lady steht für eine reife Frau, die sich ihrer selbst bewusst ist.
„Ich liebe diesen Namen. Ich bin dieser Name.“
Die Maske als Fetisch

Auf fast allen Bildern der neuen Bildwelt ist ihr Gesicht teilweise verdeckt. Wer darin vor allem Schutz vermutet, greift zu kurz. Die Maske sei ein Fetisch von ihr, sagt sie, genauso wie lange Oberarmhandschuhe und feine Stoffe auf der Haut.
Was sie daran reizt, ist der Blick. „Ich liebe diesen besonderen Blick, wenn meine Augen durch die Maske hindurchscheinen.“ Verbergen und Sichtbarmachen gehören für sie zusammen und erzeugen genau die Spannung, die ihre Arbeit tragen soll.
Ähnlich beschreibt sie ihre Nähe zu BDSM und Femdom. Diese Seite sei schon damals da gewesen, nur habe sie sie nicht bewusst wahrgenommen. Über die Jahre wuchs die Verbindung, parallel zur Beschäftigung mit sich selbst. Heute fühlen sich Bedürfnisse, Fetische und Rituale für sie nicht mehr wie einzelne Teile an, sondern wie ein Zusammenhang.
Eigene Kanäle statt Katalog
Ihr Comeback ist kein Wiederaufnehmen des alten Programms. „Ich erfinde nichts neu. Ich verkörpere, was ich bin“, sagt sie. Neu seien der Name und die Form, in der sie die verschiedenen Seiten zusammenführt.

Konkret geplant sind eigener Content auf eigenen Kanälen, Shootings, Live-Performances und exklusive Sessions. Dazu kommen ausgewählte Privatanfragen für besondere Produktionen oder Events, über die sie im Einzelfall entscheidet. Sie ist offen für Kooperationen mit anderen Darstellerinnen und Darstellern, für Mode- und Markenpartnerschaften und für Schauspielprojekte außerhalb der Erotikbranche. Langfristig sollen Retreats und Seminare für Frauen dazukommen.
Den Unterschied zwischen damals und heute sieht sie weniger im Publikum als in der Kontrolle. Die großen Produktionen von damals hätten ihr viel Spaß gemacht, sagt sie, und dafür sei sie bis heute dankbar. Was sie an der heutigen Branche schätzt, ist die Verantwortung für das eigene Bild. „Ich kann meine Entscheidungen selbst treffen, meine Inhalte selbst gestalten und meinen Weg selbst bestimmen.“
Plattformen wie MyDirtyHobby (Partnerlink) haben diesen Direktvertrieb zwischen Creator und Publikum seit ihrem Ausstieg für die gesamte Szene etabliert. Wie viel Arbeit hinter einem professionell geführten OnlyFans-Account tatsächlich steckt, zeigen aktuelle Zahlen, und mit DirtyLittleSecret ist seit August 2026 eine weitere Plattform am Start, die genau um diese Creator konkurriert.
Was seit Juli passiert ist
Die Resonanz auf ihre Ankündigung kann sie bislang nur von einer Plattform beziffern, die sie nicht nennt. Dort habe ihr Altmaterial im Juli bei 11,2 Millionen Aufrufen gestanden, seither seien rund 800.000 dazugekommen. Diese Zahlen sind ihre eigene Angabe und redaktionell nicht überprüfbar, aber sie decken sich mit dem Eindruck, dass ihr Name in der Szene nie ganz verschwunden war.
Aus der Branche kamen Anfragen und Einladungen. „Viele Menschen, die einmal aus der Branche ausgestiegen sind, bleiben auch außerhalb“, sagt sie. „Ich gehe jetzt bewusst einen anderen Weg.“
Zurück an den Ort des Awards

Dass ihr neues Kapitel im Umfeld der VENUS sichtbar wird, ist kein Zufall. Die VENUS Berlin 2026 läuft vom 22. bis 25. Oktober auf dem Berliner Messegelände, mit mehr als 270 Ausstellern aus 40 Ländern, dem neuen VENUS KIEZ und den Awards am ersten Messetag. Pressesprecher Walter Hasenclever hat die Neuerungen vorab im GAN-Interview erläutert. Es ist derselbe Ort, an dem sie vor 22 Jahren den Preis entgegennahm.
Wo und in welcher Rolle sie dort zu finden sein wird, steht noch nicht fest. Sie sei in Gesprächen und wolle nichts ankündigen, was nicht sicher ist. Sobald es feststeht, informiert sie über ihre Kanäle.
„Damals wurde ich als Nachwuchsstar gesehen. Heute komme ich als Frau zurück, die ihre Richtung kennt.“
Warum diese Rückkehr anders ist
Comebacks in dieser Branche verlaufen meist nach demselben Muster: ein bekannter Name, ein paar Drehs, ein kurzer Aufmerksamkeitsschub. Dieses hier funktioniert anders, weil die Rückkehrerin die alte Rolle gar nicht zurückhaben will. Sie nimmt die Erfahrung mit und lässt den Katalog zurück.
Lady Dawina Moon verbindet zwei Epochen der deutschen Adult-Unterhaltung: eine, in der Studios entschieden, was auf dem Set passiert, und eine, in der Darstellerinnen ihre Marke, ihre Inhalte und ihr Publikum selbst verwalten. Sie kennt beide aus eigener Anschauung, mit 18 Jahren Abstand dazwischen. Kein Typus, kein Klischee, sondern eine Frau, die ihre eigene Geschichte zu Ende erzählt. Deshalb ist sie unser GAN Girl des Monats September 2026.
Offizielle Kanäle von Lady Dawina Moon
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Alle Bilder der Galerie: Foto: Malte · @alph.a_perspective_ / Lady Dawina Moon












