21. Pornfilmfestival Berlin: Lebenswerk-Preis für Annie Sprinkle, Abschied von zwei Ikonen

Bis zum 25. Oktober zeigt das PFFB in vier Kinos 34 Langfilme und 20 Kurzfilmprogramme, ehrt Annie Sprinkle und Beth Stephens und erinnert an Rosa von Praunheim und Udo Kier.

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von GAN Redaktion - Redaktion
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Ein Mann, ein Staubsauger und darin der Geist seiner verstorbenen Frau: Mit dieser Prämisse eröffnet heute Abend das 21. Pornfilmfestival Berlin. Ratchapoom Boonbunchachokes „A Useful Ghost“ läuft um 19:30 Uhr im Colosseum, ab 22 Uhr wird im Foyer gefeiert. Bis zum 25. Oktober zeigt das PFFB 34 Langfilme und 20 Kurzfilmprogramme, erstmals verteilt auf vier Kinos.

Pornfilmfestival Berlin 2026 auf einen Blick

  • Zeitraum: 20. bis 25. Oktober 2026
  • Spielstätten: Moviemento, Babylon Kreuzberg, Colosseum und neu das Kino Central in Mitte
  • Eröffnung: 20.10., 19:30 Uhr, Colosseum, „A Useful Ghost“, Opening-Party ab 22 Uhr
  • Ehrung fürs Lebenswerk: Annie Sprinkle und Beth Stephens, 21.10., 19 Uhr, Babylon Kreuzberg
  • Adult Industry Forum: 20. und 21.10., bUm
  • S*MAC Forum: 23. und 24.10., TAK (Theater Aufbau Kreuzberg)
  • Abschluss: 25.10., 19 Uhr, Moviemento, „Fucking Different Generations“, danach Closing Party und Preisverleihung im Monarch
  • PFFB Online: 20.10. bis 11.11.2026
  • Web: pornfilmfestivalberlin.de
Szene aus „A Useful Ghost“: ein Mann im Krankenbett hält einen roten Staubsauger im Arm
Eröffnungsfilm „A Useful Ghost“ von Ratchapoom Boonbunchachoke

Ein Jahrgang der Wegbereiter

Die 21. Ausgabe fragt, wer das queere Kino und den Pornofilm geprägt hat, wie man ihn heute kennt. Die Antwort fällt doppelt aus: Das Festival feiert, wer noch da ist, und erinnert an jene, die fehlen. Den Auftakt macht eine Ehrung im Babylon Kreuzberg. Annie Sprinkle und Beth Stephens erhalten dort am Mittwoch, 21. Oktober, um 19 Uhr einen Preis für ihr Lebenswerk.

Sprinkle kam in den 1970ern als Darstellerin zum Pornofilm und wurde später als Performancekünstlerin und Sexualaufklärerin bekannt. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Stephens hat sie über Jahre die Idee der Ecosexuality entwickelt, die Natur und Erde als Liebespartner begreift.

Auch die Porno-Chic-Ära der 1970er hat ihren Auftritt. Gerard Damiano, Regisseur von „Deep Throat“, ist mit „The Story of Joanna“ (1975) vertreten, gezeigt in einer neuen 4K-Restaurierung. Am 22. Oktober im Moviemento stellen Gerard Damiano Jr. und Christar Damiano den Film persönlich vor.

Hommagen an Rosa von Praunheim und Udo Kier

Zwei Namen fehlen in diesem Jahr, die das Kino jenseits der Konvention über Jahrzehnte geprägt haben. Udo Kier starb im November 2025, Rosa von Praunheim im Dezember. Beiden widmet das Festival eigene Programme.

Die dreiteilige Praunheim-Hommage spannt den Bogen über vier Jahrzehnte: vom Bewegungsfilm „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) über „Stadt der verlorenen Seelen“ (1983) bis zu „Axel + Peter oder Titten für Arsch“ (2012). Zu sehen ist sie vom 22. bis 25. Oktober im Moviemento.

Udo Kier ehrt das Festival mit Paul Morrisseys „Blood for Dracula“ (1974), am 23. Oktober im Moviemento. Schon einen Tag vorher läuft der Film im Kino Central als Teil einer „Bloody Night“, im Doppel mit Ulrike Ottingers neuem Film „Die Blutgräfin“ (2026).

Von mexikanischen Rodeos bis zum Internet-Musical

Aus den 34 Spiel- und Dokumentarfilmen hebt das Festival sechs Titel hervor. „Mickey & Richard“ von Ryan A. White und A.P. Pickle porträtiert Mickey Squires, schwuler Pornostar der 1980er, und den Mann, der ihn verkörperte. „Jaripeo“ von Efraín Mojica und Rebecca Zweig sucht eine verborgene queere Subkultur in den betont männlichen Rodeos des ländlichen Mexiko.

Gustavo Vinagre und Vinícius Couto erkunden in „The Passion According to GHB“ queere Chemsex-Kultur mit Mitteln des magischen Realismus. Isa Willinger porträtiert in „No Mercy“ Regisseurinnen und nicht-binäre Filmschaffende und prüft die These, dass Frauen die härteren Filme drehen.

Leichter geht es bei Casey Calvert zu: Ihre Backstage-Farce „Going Up“ begleitet eine Theaterpremiere, bei der alles misslingt, was misslingen kann, als Hardcore-Komödie. Jazzy Boho erzählt in „Cyberfuck“ die Geschichte des Internets als schwules, wütendes Musical.

Szenen aus den Festivalfilmen „Mickey & Richard“ und „Going Up“
„Mickey & Richard“ von Ryan A. White und A.P. Pickle, „Going Up“ von Casey Calvert

Kurzfilme mit Mexiko im Fokus

Die Kurzfilme bleiben das Herzstück des PFFB, in diesem Jahr mit 20 Programmen und mehr als 100 Filmen. Als Country in Focus erhält Mexiko besondere Aufmerksamkeit. Gastkurator:innen zeigen eine Perspektive aus Ostasien und unter dem Titel „Animated Desires“ animierte Pornos.

Zwei BDSM-Programme decken unter den Titeln „Hit Me Hard“ und „Hit Me Soft“ beide Enden der Skala ab. „Fucking Men“ versammelt Filme, die traditionelle Männlichkeit infrage stellen. Wieder dabei ist „The Long Night of Lesbian Sex“ am 23. Oktober im Moviemento, ebenso der Kurzfilmwettbewerb mit den Höhepunkten des Jahrgangs.

Szenen aus den Kurzfilmen „La Cita“ und „YE KOU SI KOU“
„La Cita“ von Iris Kaufman y El Mirón, „YE KOU SI KOU“ von Lola Lefèvre

Neues Forum S*MAC, Branchentreff AIF

Neu im Festivalkalender ist S*MAC, kurz für Sex, Media, Arts & Culture. Am 23. und 24. Oktober im TAK bringt das Format Sexarbeiter, Sexualpädagogen, Intimacy-Experten, Künstler und Community-Organisatoren zusammen. Auf dem Programm stehen Talks, Workshops, Lesungen und Performances, unter anderem zu Domming Yourself, KI-Bots als Liebhaber, Cruising, Shadowbanning und der Psychologie des Begehrens. Einen Fachpass braucht es nicht, das Forum ist offen für alle.

Für die Branche selbst öffnet das Adult Industry Forum (AIF) am 20. und 21. Oktober im bUm, die Konferenz- und Networkingplattform des Festivals für Produzenten und Filmschaffende.

Jurys, Lounges und ein Finale über Generationen

Über den besten Spielfilm entscheiden Saskia Vogel, Mad Kate und Olivia Troy, den besten Kurzfilm küren Jazzy Boho, Mickey Mod und Mar Nantas. Dazu kommen Preise für den besten Dokumentarfilm, den Best Fetish Short Award (gesponsert von Clips4Sale) und der ClubLum Award für den besten experimentellen Kurzfilm, finanziert aus dem Nachlass von Charles Lum.

Die Festival-Lounge zieht erstmals jeden Abend weiter: ins OYA (21.10.), ins Silverfuture (22.10.) und ins Möbel Olfe (23.10.). Die offizielle PFFB-Party steigt am 24. Oktober im Weekend Club im 15. Stock über der Stadt.

Den Schlusspunkt setzt am 25. Oktober um 19 Uhr im Moviemento „Fucking Different Generations“. Das neue Kapitel von Kristian Petersens langjähriger Reihe bringt queere Menschen verschiedener Generationen ins Gespräch über die Vorurteile, die sie voneinander haben. Regisseur und viele Mitwirkende sind vor Ort. Anschließend folgen Closing Party und Preisverleihung im Monarch Berlin.

Festival auch zu Hause

Wer nicht nach Berlin kommt, kann einen Teil des Programms online sehen. PFFB Online startet erstmals zeitgleich mit dem Festival und zeigt vom 20. Oktober bis 11. November neun Spielfilme, 19 Kurzfilmprogramme und drei Vorfilme. Programm und Tickets gibt es auf der Website des Festivals.

Mehr zum Pornfilmfestival Berlin

GAN begleitet das PFFB seit der ersten Ausgabe 2006. Unsere Berichte aus zwei Jahrzehnten:


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